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Posamenten - Von der Hutschnur bis zum Schnürsenkel

9. November 2019 - 1. August 2021

Wer kennt sie heute noch: Tressen, Litzen, Borten, Quasten und Spitzen? Welcher junge Mensch kann heute mit dem Begriff "Posamenten" noch etwas anfangen, der einmal das Leben und den Alltag für viele Generationen von Menschen in der hiesigen Gegend mindestens genauso stark geprägt hat wie der Bergbau? Die interaktive Sonderausstellung im Erzgebirgsmuseum zeigte die große Vielfalt der Posamentenherstellung am Beispiel von Menschen, die selbst in diesem Bereich gearbeitet haben. Eine wunderbare Auswahl von originalen Objekten, filmischen Dokumentationen und Zeitzeugenberichten vermittelten die facettenreichen Traditionen eines im Verschwinden begriffenen Wirtschaftszweiges. Spannende Mitmach-Stationen luden ein, selbst aktiv zu werden und machten diese Sonderausstellung durchaus familientauglich.

Virtuelle Führung durch die Ausstellung "POSAMENTEN - von der Hutschnur zum Schnürsenkel"

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Begleitprogramm zur Ausstellung

Die Schau wurde begleitet durch spezielle Mitmachangebote für Schulen in Annaberg-Buchholz, Workshop-Angebote und Projekttage, Führungen für Gruppen und Familien.

Ist das Goldene Zeitalter endgültig vorüber?

Über das Anliegen der Ausstellung und den Niedergang der Posamentenindustrie in Annaberg-Buchholz und Umgebung

Am 1. August 2021 endete die Sonderausstellung "POSAMENTEN - Von der Hutschnur bis zum Schnürsenkel", die - mit längeren coronabedingten Unterbrechungen - im Erzgebirgsmuseum Annaberg-Buchholz seit November 2019 zu sehen war. Damit endete auch ein großangelegtes Projekt, das durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wurde und das die Vermittlung von Industriekultur in und um Annaberg und Buchholz zum Inhalt hatte. Was sich anhört wie eine technokratische Floskel ist eine Umschreibung für eine Vielzahl von Errungenschaften in technischer, gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht, von denen Generationen von Menschen profitiert haben und die das Leben der Menschen in der Region bis in das private Umfeld hinein mindestens so stark geprägt haben, wie der Bergbau - wenn nicht sogar noch mehr.

Es wäre sicherlich nicht übertrieben, die Zeit von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in wirtschaftlicher Hinsicht als das Goldene Zeitalter für die Stadt und Region zu bezeichnen. Seit mehr als 450 Jahren ist die Posamentenproduktion im Erzgebirge verwurzelt, und so lange reicht eine ununterbrochene Traditionslinie zurück - natürlich mit einigen Höhen und Tiefen. Namen wie Barbara Uthmann, Georg Einenkel, Isaak Chanange oder in der Neuzeit die Obererzgebirgischen Posamenten- und Effekten-Werke (OPEW) und das Unternehmen Ruther & Einenkel haben sich in diese Traditionslinie eingeschrieben.

Doch der Niedergang der hiesigen Posamentenindustrie nach der politischen Wende in den 1990er Jahren und die zunehmende Konkurrenz einer globalisierten Wirtschaft haben dieser Tradition ein jähes und sehr schmerzhaftes Ende gesetzt. Tausende Menschen verloren ihre Arbeit, unzählige Heimarbeiter*innen, kleine Genossenschaften und Familienunternehmen verloren ihre Lebensperspektive und nicht selten auch ihr gesamtes Lebenswerk. Die weitreichenden Folgen dieses tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels werden bis heute nicht genügend berücksichtigt, und sie werden paradoxerweise selbst von den Betroffenen bis heute zu gering geschätzt.

Ein Anliegen der Ausstellung im Erzgebirgsmuseum war es deshalb, die Frage aufzuwerfen, was angesichts eines auch heute noch immer andauernden Verlustes von jahrhundertealten Techniken, Kenntnissen und Fertigkeiten aus der Posamentenindustrie getan werden kann.

In der Ausstellung wurde deshalb das Lebenswerk von Menschen in den Fokus gerückt, die selbst in der Posamentenindustrie gearbeitet haben - zum einen, um dieses Lebenswerk zu würdigen und zum anderen, um das Wissen darum an die nachfolgende Generation weiterzugeben,denn es musste festgestellt werden, dass selbst der Begriff "Posamenten" in der Generation der Kinder und Jugendlichen heute keineswegs mehr als bekannt vorausgesetzt werden kann. So haben also im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung Schüler aus Annaberg-Buchholz Gespräche mit Zeitzeugen geführt und Lebens- und Schaffensberichte erstellt, die Teil der Ausstellung geworden sind. Dadurch konnten die Jugendlichen eine Menge über die Geschichte ihrer Stadt und über das Lebenswerk ihrer Großeltern erfahren. In Führungen für Schulklassen, in begleitenden Workshops und Mitmachangeboten wurde die Ausstellung inhaltlich vermittelt - so konnten im Laufe der Ausstellung tatsächlich Hunderte von Kindern und Jugendlichen mit dem Thema in Berührung kommen.

Letztendlich war es auch eine Intention der Ausstellung, auf die Situation der heute noch immer existierenden Posamentenbetriebe wie Ruther & Einenkel, OPEW oder Posamenten Angermann, die angesichts einer gnadenlosen Konkurrenz auf dem globalisierten Markt mit größter Mühe und unter enormem Einsatz um ihr Überleben kämpfen. Auch dieser Ausblick ist ein Anliegen der Ausstellung: was kann heute getan werden, um Erfahrungen, künstlerische Kenntnisse und technische Fertigkeiten zu erhalten? Oder wurde mit der Schau im Erzgebirgsmuseum bereits die Totenmesse für die Posamentenindustrie in Annaberg-Buchholz und Umgebung gesungen? Welche Verluste sind mit dem Niedergang der Posamentenindustrie verbunden?

bg

Das Projekt "Posamentiersammlung - Vermittlung von Industriekultur in Annaberg, Buchholz und Umgebung" und die Ausstellung wurden gefördert durch:

Kontakt

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Erzgebirgsmuseum
mit Silberbergwerk „Im Gößner“
Anschrift
Große Kirchgasse 16
09456 Annaberg-Buchholz
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03733 | 676112
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